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Pura Tirta Empul

Reinwaschung für Geist und Seele – Pura Tirta Empul

Das Gute und das Böse sind die traditionellen Eckpfeiler des Hinduismus der balinesischen Prägung. Und da nach den Vorstellungen der Menschen auf dieser paradiesischen Insel Indonesiens das Gute stets das Böse zu besiegen hat, um sich das ganz persönliche Wohlergehen zu sichern, bedarf es ritueller Waschungen. Der Geist und die Seele sollen somit von Problemen und bösen Gedanken gereinigt werden. Das findet auf Bali unter anderem in Pura Tirta Empul statt, dem bedeutendsten und traditionsreichsten Quellheiligtum der Insel. Dort ergießt sich aus über dreißig Speichern das für die Balinesen heilige Wasser in große Becken.




Eine stets kräftig sprudelnde Quelle

Zu übersetzen ist Pura Tirta Empul mit „die sprudelnde Quelle“. Für die Balinesen ist dies eine der wichtigsten Quellen ihres Lebens und der Ort, an dem Körper und Geist gereinigt werden und sie sich vor dem Zorn von Göttern und Dämonen schützen. Die Anlage ist eine der neun offiziellen Staatstempel Balis. Sie ist eine grandiose tropische Landschaft eingebettet und befindet sich unweit der Künstler-Metropole Ubud und der sehenswerten Reisterrassen. In Pura Tirta Empul tritt der Fluss Pakrisan als kräftig sprudelnde Quelle aus dem Boden. Seit Jahrhunderten ist sie niemals versiegt und produzierte selbst in Trockenzeiten stets ausreichend Wasser. Vermutlich wird die Quelle von einem der benachbarten mächtigen Vulkane gespeist.

Die Wandlung vom König zum Magier

Von Generation zu Generation wird auf Bali die Legende der Entstehung dieses erfrischenden Heiligtums in den Familien-Clans weitergetragen. Jedes Kind dieser Insel wächst in dem Bewusstsein auf, dass das Wasser des Pakrisan der Schlüssel allen Lebens im Diesseits ist. Der Überlieferung zufolge war es ein König namens Mayadenawa, der vor einem Jahrtausend über weite Teile des heutigen indonesischen Staatsgebiets herrschte. Ihm wurden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, denn er verstand es, sich stets zu verwandeln. Mal als Mensch und dann wieder als Tier oder sogar als Gegenstand des Alltags. Doch eines Tages vollzog sich bei dem König der Wandel vom Guten zum Bösen, vom Regenten zu einem grausamen schwarzen Magier.

Pura Tirta Empul

Pura Tirta Empul ©iStockphoto/kurmyshov

Gott Indra und das vergiftete Wasser

Getreu dieser Legende rief der Priester Sang Kulputih in der Not Indra, den vom Hinduismus als Herrn des Himmels verehrten Gott aller Götter zu Hilfe, um den Magier zu töten. Am Abend eines Kampfes zwischen Indras Truppen und Mayadenawa entkräftete dieser die gegnerischen Soldaten mit einem vergifteten Wasser. Dazu bediente er sich einer besonderen List, denn er hinterließ keine Spuren, weil er auf den Seiten seiner Füße ins Lager schlich. Die Stadt Tampaksiring verdankt diesem Umstand ihren Namen, denn dies ist das balinesische Wort für „ohne Abdrücke“. Gott Indra selbst erkannte das Problem, rammte einen Fahnenmast in den Boden und schuf so die Quelle Pura Tirta Empul. Deren Wasser ließ die Soldaten genesen.

Die Legende um das verunreinigte Blut

An dieser Stelle errichteten die Balinesen laut einer Tempel-Inschrift im Jahr 962 das Heiligtum Tirta Empul und ehrten damit nicht nur Indra sondern auch die Gottheiten Vishnu, Shiva und Brahma. Über einen langen Zeitraum galt das Quellwasser als nicht genießbar, weil die Legende auch besagt, dass Mayadenawa am Ufer des Flusses Petanu von einem göttlichen Pfeil getroffen wurde und dessen Blut das Wasser verunreinigte. Es wurde nicht einmal zur Bewässerung der umliegenden Reisterrassen genutzt. Doch davon rückten die Menschen im Laufe der Jahrhunderte ab, und heute wird das Wasser der Tempelanlage sogar in Flaschen abgefüllt und an die Gläubigen oder auch an Touristen verkauft.

Die mystische Kraft des Tempels

Die Reinigungszeremonie von Pura Tirta Empul wurde in früheren Zeiten in zwölf verschiedenen Schritten durchgeführt. Jede Wasserfontäne hatte eine besondere Bedeutung, doch in jüngerer Zeit geriet dieses komplizierte Ritual mehr und mehr in Vergessenheit. Doch die Bedeutung der heilenden Kraft, die aus der Quelle sprudelt, hat die Jahrhunderte auf Bali überlebt. Dabei werden die Zeremonien in den Wasserbecken, in denen einige hundert farbenfrohe Koi-Karpen schwimmen, getrennt nach Geschlechtern durchgeführt. Wer Pura Tirta Empul als Gast besucht, der erhält intensive Einblicke in die rituelle Geisteswelt der Menschen auf Bali, denn dieser Ort entfaltet zweifellos eine geradezu mystische Kraft. Vor ihrem Bad ist es bei den Gläubigen üblich, Opfergaben abzulegen,

Ein Sarong ist für Touristen Pflicht

Urlauber sollten wissen, dass das Tragen eines balinesischen Sarongs beim Besuch von Pura Tirta Empul unabdingbar ist. Frauen ist es darüber hinaus untersagt, an den Tagen ihrer Menstruation die Anlage zu betreten. Sofern die Gläubigen bei ihren rituellen Waschungen nicht gestört werden, ist es auch Touristen erlaubt, ein erfrischendes Bad zu nehmen. Dabei sollte man sich nicht des Sarongs entledigen und das Haupthaar mit einem Gummiband fixieren. Nur wenige Bereiche des prachtvollen und teils mit Gold verzierten Tempels sind nicht für Besucher zugänglich. In den frühen Abendstunden werden häufig offizielle Zeremonien durchgeführt – begleitet von den Klängen eines Gamelan-Orchesters und stetigen Glockenschlägen.

Eine Villa und die Königsgräber

Als krassen optischen Widerspruch zur historischen Anlage von Pura Tirta Empul empfinden viele Besucher die benachbarte moderne Villa. Sie entstand unter der Regentschaft des einstigen indonesischen Präsidenten Achmed Sukarno, der dem Tempel im Jahr 1954 einen Besuch abstattete und von dem landschaftlichen Reiz dieser Region zu begeistert war, dass er dieses Haus als seine Sommerresidenz in Auftrag gab, um Gäste des Staates dort unterzubringen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wohnte dort während der Weltklimakonferenz im Jahr 2007. Der Besuch der Tempel-Quelle sollte mit dem der neun Königsgräber von Gunung Kawi verbunden werden. Sie entstanden im 11. Jahrhundert und dienten der Udayana-Königsfamilie als letzte Ruhestätte. Die Gräber sind über eine in den Felsen geschlagene Treppe erreichbar.

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